„April Genevieve Tucholke hat schon mehrere Romane veröffentlicht, die durchweg von der Kritik gefeiert wurden“, heißt es in der Kurzbiografie, die dem neuen Buch der amerikanischen Autorin vorangestellt ist. „All the strangest things are true“ heißt es und wahr ist leider auch, dass es bei der 1001 Buch-Rezensentin nicht Feierlaune und Partystimmung, sondern Langeweile und Unmut ausgelöst hat.
Eigentlich erzählt Tucholke eine typische Coming-of-Age-Geschichte: Es geht ums Erwachsenwerden, um verlorene Eltern und verlorene Kindheit, um Freundschaft, Liebe und Lügen, Intrigen und Rache, ersten Sex und die Suche nach Lebensentwürfen. Das alles aus drei Perspektiven: Poppy wird als die böse Hexe im Spiel vorgestellt, als geborene Intrigantin, An- und Verführerin. Midnight, ein sensibler Junge, traumatisiert vom Umzug seiner Mutter und seines älteren Bruders nach Frankreich, ist Poppy verfallen, doch sie liebt nur Leaf, den älteren Bruder von Wink, der Dritten im Erzählertrio; sie ist ein Mädchen, das die Vorliebe für alles Märchenhafte, Esoterische und Okkulte von seiner Mutter geerbt hat. Dann gibt es noch „die Gelben“, das sind die Anhängerinnen und Anhänger Poppys, und „die Waisenkinder“, das sind Winks Geschwister, die deswegen so heißen, weil Poppys Vater ganz verschwunden und Poppys Mutter, eine Wahrsagerin, die meiste Zeit des Tages zumindest gedanklich abwesend ist.
Worauf diese Figurenkonstellation hinauslaufen soll, bleibt lange, zu lange unklar: Erst nach mehr als 80 Seiten kommt die Handlung in Gang. Zuvor werden im schnellen Wechsel der Perspektiven wieder und wieder die Rollen verdeutlicht, die die beiden Ich-Erzählerinnen und der Ich-Erzähler spielen. Mit Anspielungen auf Märchen, Geschichten und Romane soll offenbar gleichermaßen Bedeutung wie Verwirrung gestiftet werden, und die Beschreibungen werden mit vielen Adjektiven und teils poetischen, teils kitschigen, teils schiefen Metaphern eingekleidet. „Sie lachte ein hartes, schmieriges und kaltes Lachen, wie wenn man Eis kaute.“
Wer bis zum Ende des Buchs durchhält, erfährt immerhin eine Art durchaus realistischer Auflösung des Verwirrspiels, was den ganzen vorher veranstalteten Klimbim mit mysteriösen Andeutungen und märchenhaften Bezügen umso überflüssiger erscheinen lässt. Falls es der Versuch der Autorin gewesen sein sollte, einen realistischen Coming-of-Age-Roman mit einem Mystery-Thriller zu vereinigen, kann das Ergebnis zumindest in dieser Kritik nicht gefeiert werden. Es ist ein Impuls aus der schlechten Laune heraus, einfach ein Zitat aus dem Roman zu reißen und damit das Gefühl beim Lesen zusammenzufassen: „Aber keiner, wirklich keiner, begriff, was wirklich los war.“ (1000 und 1 Buch/Christina Rademacher/www.biblio.at)
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Verlag:
Thienemann
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Spannung
ISBN:
978-3-522-20232-9
Beschreibung:
220 Seiten
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deutsch